• Banking and Finance in Historical Perspective
Aktuelles Heft – Artikel

41. Jahrgang | Jahr 2015 | Heft 1

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Aufsätze

Ralf Stremmel
Zwischen Partei und Bank: Max Albert Schlitter (1894–1973)
So far, little is known about second- and third-tier bank managers. Max Albert Schlitter (1894–1973) belonged to this group. As director of ‘Deutsche Bank’, he headed its branch in Bochum. Even before Hitler was appointed chancellor, Schlitter had joined the NSDAP. After 1933, he climbed the ranks and became president of the Chamber of Commerce and Industry in Bochum. However, his career came to an abrupt end when he was accused of fraud. This article investigates how Schlitter positioned himself between political party and bank, and why he, eventually, did not manage to convert his economic assets into social and cultural ones.

Diese biografische Skizze ist in mancher Hinsicht unvollendet, gilt sie doch einem Mann, der nur wenige Jahre im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand und danach im Dunkel der Anonymität verschwand. Aber in den Wechselwirkungen mit den großen Strömungen der Zeit wirkt der Lebenslauf von Max Albert Schlitter oft exemplarisch. Schlitter war ein Bankmanager der zweiten Reihe: Als Direktor der Deutschen Bank leitete er von 1928 bis 1938 die Niederlassung in Bochum. Seinen Lebensweg zu rekonstruieren, mag dabei helfen, eine Forschungslücke zu schließen, denn im Vergleich zur genuin unternehmenshistorischen Perspektive standen biografische Ansätze in der Bankengeschichte bisher eher zurück. Zwar sind in jüngerer Vergangenheit mehrere einzel- und kollektivbiografische Untersuchungen erschienen, doch konzentriert sich die Aufmerksamkeit weitgehend auf Spitzenrepräsentanten des privaten Bankwesens. Über die Männer der zweiten und dritten Reihe, die das Bankgeschäft vor Ort prägten, ist nach wie vor wenig bekannt. Eine der Ursachen liegt in den unzureichenden Quellen, und diese Hürde erschwert auch Recherchen zu Schlitter. Aufschlüsse über sein eigentliches unternehmerisches Denken und Handeln sind kaum zu gewinnen. Dazu schweigen die Quellen. Sie erlauben es aber zu thematisieren, ob – und wenn ja wie – ein Bankmanager, der bereits vor der so genannten Machtergreifung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) beigetreten war, in seiner Karriere vom NS-Regime profitierte beziehungsweise wie er sich zwischen Partei und Arbeitgeber positionierte.[…]

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