• Banking and Finance in Historical Perspective
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37. Jahrgang | Jahr 2011 | Heft 1

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Aufsatz: Seite 1–61

Andreas Witte
"Zum Golde drängte alles"? / "Toward Gold thronged all?"
Die Genese des klassischen Goldstandards, diskretionäre Notenbankpolitik und das Klischee von Mythos versus Realität / The Genesis of the Classical Gold Standard, Discretionary Central Bank Policy and the Cliché of Myth versus Reality
This article attempts, on the one hand, to give an updated and commented overview of the contemporary array of opinions on the subject of the gold standard; on the other, it will take its own critical look at this currency regime. To this end, firstly, the principles and mechanisms which constitute the basis for such a monetary system will be presented so as to identify and analyse the historical genesis of the international gold regime. Secondly, a number of contributions from the body of literature on national economy are discussed, including statements on the question of the characteristics to be expected from a metallic currency. Ultimately, these theoretical forecasts are to be tested empirically. The article concludes with an overview of the results and the author's assessment of the gold standard and the literature about it.

I. Einleitung

Das internationale Währungssystem durchlebt momentan turbulente Zeiten. Diese Aussage mag angesichts der medialen Aufmerksamkeit, die monetäre Problemstellungen spätestens seit 2008 erhalten haben, wie eine Plattitüde wirken, doch wird sie dadurch nicht unwahr. Das gegenwärtige Weltwährungsgeflecht erscheint vielen Beobachtern instabil und manipulierbar. Auf der Suche nach Alternativen schweift der Blick nur allzu oft in die Vergangenheit und bleibt gerne in den Jahren vor 1914 hängen, während derer, so die nostalgische Sichtweise, ein auf Gold basiertes internationales Währungsregime stabile Preise und Wechselkurse sowie einen automatischen Ausgleich von Zahlungsbilanzungleichgewichten verhieß und gewährleistete. Die Rolle, die Gold als Grundlage der Währungen unserer Tage spielt, ist zwar gering, doch die anhaltende Attraktivität metallischer Systeme zeigt sich nicht zuletzt im stetig steigenden Goldpreis sowie in der Nachfrage nach zum Teil zweifelhaften privaten Initiativen auf Goldbasis.

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